Der DFB-Pokalsieg 2007...

  • ...jährt sich heute zum 5. Mal!


    Was meiner Ansicht nach einen eigenen Erinnerungs-Thread rechtfertigt. Ich meine, dass es mal einen hier gab, hab ihn aber im Fanblock nicht gefunden... Hier darf jeder noch mal in Erinnerungen schwelgen, wie er/sie diesen besonderen Tag verbracht hat.


    Ich war damals mit vielen anderen Glubberern am Hauptmarkt und hab mir das Public Viewing gegeben. Der ganze Tag war ein Wechsel aus schwülem Frühsommerwetter und kurzen Gewitterschauern. Mehr als nur ein Mal mussten wir uns unter dem Bierstand unterstellen, weil mal wieder ein Wolkenbruch auf dem Hauptmarkt niederging. Ich war in einer Art psychischem Ausnahmezustand und war aus bis heute für mich unverständlichen Gründen sehr siegesgewiss, was ich sonst beim Glubb eher selten bin.


    Sogar als dann die Stuttgarter das 1:0 geschossen haben, blieb ich seltsam ruhig. Ab Mintals 1:1 war das Spiel dann nur noch wie ein Rausch. Dann die Rote Karte gegen Cacau, die Drecksau Meira, die unseren Helden kaputt tritt, Engelhardts 2:1... An das 2:2 durch den Elfer habe ich kaum eine bewusste Erinnerung. Ich weiß nur noch, dass ich nach dem ekstatischen Jubel über das Kristiansen-Tor eine aus unserer Gruppe dauernd beruhigen musste, weil statt Klewer Banovic eingewechselt wurde und sie immer noch Angst vor dem Elferschießen hatte. Als dann der Schlusspfiff ertönte, ging auch der Regen wieder los. Gebadet in Regen lagen sich wildfremde Menschen in den Armen. Der Glubb hatte es geschafft! Und ich war völlig aufgelöst, fassungslos und glücklich.


    Vergessen wird wohl kein Glubberer diese Nacht jemals. Für mich waren es ja damals nur etwas mehr als 10 Jahre, aber nach so vielen Rückschlägen hat man einfach den Gedanken, dass man sich den Erfolg irgendwie auch mit verdient hat.


    DANKE an das Team von 2006/07, dass unser Traum wahr wurde!


    file_manager.php?siteid=12002&action=get&type=full&fileid=111215&filehash=95906be5f816

    "Resist - Peace!"

  • Ich hab mal angefangen, ein Buch über den Ruhmreichen zu schreiben. Aber wie so oft ist auch dieses Projekt mangels Zeit noch nicht vollendet. stelle aber mal mein Kapitel über den Pokalsieg rein. Ist recht lang, aber vielleícht hat doch jemand Lust, es zu lesen.




    KAPITEL 1
    Schluss, Aus und vorbei – aber wir sind Pokalsieger



    Wie sollte es auch anders sein. Nur die Superoptimisten konnten noch daran glauben, dass wir heute – am letzten Spieltag und noch ausgerechnet gegen Schalke – den Abstieg vermeiden können.


    Spätestens nach Bordons zweitem Tor in der 61. Minute war klar, dass wir in der neuen Saison auf Osnabrück und Oberhausen anstelle von Hamburg, Hertha oder Bayern München treffen werden.


    Viel zu lange haben die Verantwortlichen vor der Situation die Augen verschossen. Wir sind als amtierender Deutscher Meister abgestiegen, warum sollte uns das als Pokalsieger nicht auch gelingen?


    Große Erwartungen an dieses Spiel heute hatte ich eh nicht. Mit dem Pokalsieg haben wir wohl das Glück der nächsten 100 Jahre verbraucht.
    Schlusspfiff. Meine Frau schiebt mich langsam die Stufen zum Blockausgang hinauf, keiner hat mehr grosse Lust, auf die Mannschaft zu warten, die sich in die Kurve quält. Mannschaft? Eher eine Anzahl von egoistischen Fussballspielern, die heute hier, morgen da ihr fürstliches Gehalt kassieren.


    Sicherlich gibt es einige, denen der Abstieg nahe geht. Tränen laufen über Pinos Gesicht, ich nehme es ihm fast ab. Wahrscheinlich wird er nächste Woche woanders unterschreiben, da bin ich mir sicher. Ein argentinischer Nationalspieler geht nicht in die 2. Liga.


    Und der Rest? Keine Ahnung, das wissen die wohl alle selber noch nicht. Martin Bader wird in den Interviews mitteilen, dass wir mit einer völlig neuen und motivierten Truppe den sofortigen Wiederaufstieg anpeilen, mit Thomas von Heesens Konzept wird dieser Betriebsunfall recht schnell korrigiert werden.


    Soso, Betriebsunfall. Nie war die Chance größer, dass aus diesem Verein das wird, was ich mir seit 3 Jahrzehnten erhofft habe: Ein Profiverein, der aus seinen Fehlern lernt und mit ordentlichen Strukturen eine feste Größe in der Bundesliga wird.


    Sicherlich ist man hinterher immer schlauer, aber mit den ungeplanten Einnahmen aus dem Pokalsieg und der Teilnahme am UEFA-Cup hätte man spielerische Klasse anstatt nur ein paar durchschnittliche Fussballer holen müssen.


    Und ich dachte in einem Anfall von Schwachsinn schon, dass ein halbes Dutzend Abstiege, Skandale und schwarze Kassen der Vergangenheit angehören. Denkste Puppe, wir sind der Club.


    Schweigend gehen wir zum Parkplatz. Keine Lust auf Gespräche. Hie und da treffen wir auf weinende Fans, meistens sind sie noch keine 18 Jahre alt. Jungs mit Pickeln und Mädchen mit Zahnspangen durchleben einen der schlimmsten Momente in ihrem noch jungen Leben, schlechte Noten und Taschengeldentzug mit eingeschlossen.
    Aber da müsst ihr durch, das haben Generationen von Fans schon vor Euch durchleben müssen – mindestens ein Abstieg gehört bei uns nun mal dazu, sonst bist Du kein Clubberer.


    Oder habt ihr etwa geglaubt, dass man als Anhänger dieses Vereins so ohne weiteres ungestraft durch Europa tingeln kann? Dass man für die neue Saison mit einem guten Platz im Mittelfeld plant, und sorgenfrei durch eine Spielzeit marschiert, gehört zu den absoluten Ausnahmen als Clubfan.


    Entweder man zittert um den Verbleib in der Liga, oder man zittert um den Aufstieg wieder dorthin, man zittert auch manchmal ob genügend Euros da sind, um den Profifußball in Nürnberg weiterhin zu finanzieren. Zu zittern gibt es also immer was.


    Zuhause angekommen mache ich mir erst mal ein Seidla auf. „Seidla“ ist auch der Spitzname von Andreas Wolf, unserem Abwehrchef. Einer der wenigen, an dem es mit Sicherheit nicht lag, dass wir mal wieder alle frustriert sind. Hätten alle seinen Einsatzwillen gehabt, würden wir heute gemütlich den Klassenerhalt feiern und mit den Schalker Freunden zusammen deren Championsleague Quali. Hätte, wenn, aber.


    Wir sind aber Clubfans und daher von vorneherein bestraft. Man hat aber auch keine Chance auf einen Vereinswechsel, auch wenn man manchmal neidisch auf andere Klubs schaut. Das sind nur Klubs, nicht DER Club, daher dürfen nur wir uns mit „C“ schreiben.


    Hat die anderen aber nicht daran gehindert Meisterschaften oder dergleichen zu feiern, die Schreibweise ist doch letztendlich egal. Und trotzdem: Sollen sie doch in Nordösterreich einen Titel nach dem anderen holen, sie werden dort unten niemals das für ihren Verein empfinden, was wir fühlen.


    Dabei sind wir trotzdem noch gut dran. Andere Traditionsvereine sind längst in der Versenkung verschwunden. Fortuna Düsseldorf, Preussen Münster, Offenbach oder auch die Spielverunreinigung aus der westlichen Vorstadt würden gerne mit uns tauschen.


    Ich erinnere mich, dass in unserer Landeshauptstadt die grosse Krise ausbrach, als letzte Saison kein Titel gewonnen wurde, und man nur Platz 4 erreicht hat. Platz 4! Was andere als Anlass für einen Vereinsaustritt nehmen, wäre für einen Clubberer Grund völlig auszuflippen. Platz 4 – lächerlicher Baziverein!


    Seis drum, feiert mal schön Euren 385. Titel, ich hol mir noch eins. Meine Gedanken schweifen ab. An meiner Wohnzimmerwand habe ich Zeitungsausschnitte, Fotos und meine Eintrittskarte vom Pokalendspiel in einem Rahmen hängen. Die beste Ehefrau
    von allen hat mir damals nach einer guten Flasche Wein diese 60 x 40 grosse Fläche genehmigt.


    Unglaublich, dass das erst ein Jahr her ist, mir erscheint es wie eine Ewigkeit. Nein, Ewigkeit ist wohl auch der falsche Ausdruck, ist es denn überhaupt passiert?


    Über viele Jahre waren wir im Pokalwettbewerb doch nur dabei, um anderen Vereinen
    bei unserem Gastspiel die Vereinskasse zu füllen, gerissen haben wir doch seit der Finalteilnahme 1982 nix, aber auch rein gar nix.


    Ich hab mir lange überlegt, ob ich überhaupt zum Halbfinale gegen die Frankfurter Eintracht ins Stadion gehe. Dass ich dort einen meiner schönsten Momente als Clubberer erleben werde, konnte ich ja nicht ahnen. Mit 4:0 haben wir die stolzen Adlerträger zurück nach Hessen geschickt, wir standen also im Finale.


    Emotionaler Höhepunkt für uns alle war sicherlich der Kurzauftritt von Marek Mintal, der nach – der wievielten Verletzung überhaupt – noch ein paar Minuten mitspielen durfte.


    Schon allein für diese Geste gebührt unserem damaligen Trainer Dank. Gehen sie mal ruhig davon aus, dass der Marek sich sehr gefreut hat.


    In der Buli waren wir schon frühzeitig alle Sorgen los, nur noch das Pokalfinale war in unseren Köpfen. Wann gibt es Karten, wie viele Karten bekommen wir, wann sind die Tickets erhältlich, Sauerei, nur Vereinsmitglieder mit DK bekommen eine, und ich?


    Na, bei geschätzten 100.000 Anfragen für 20.000 Plätze muss man halt irgend eine Regelung finden.


    Da meine Frau und ich nur DK-Besitzer, aber keine Vereinsmitglieder sind, habe ich mir recht frühzeitig überlegt, wo ich mir das Pokalendspiel anschaue. Hoffnungen auf eine Karte habe ich mir natürlich nicht gemacht.


    Ich war auch gar nicht böse. 30 Jahre Clubfan sein bedeutet nicht automatisch eine Berechtigung für ein Pokalendspiel.
    Das damalige Endspiel gegen die Bauern hab ich damals im Sportheim angeschaut, muss diesmal auch so funktionieren.


    Einige Tage später rief eine Arbeitskollegin meiner Frau an. „Stellt Euch mal vor, da bekomm ich Karten fürs Endspiel und kann nicht hin, weil da irgend ne Tante von meinem Mann einen runden Geburtstag hat.“


    Meine Frau wiederholt ihre Worte langsam: „So, Du kannst also nicht zum Pokalendspiel, wer bekommt denn Deine Karten?“ Ich schnelle aus meinem Sessel hoch, bei meinem Gewicht ist das schon eine reife Leistung. Noch im Anflug auf das Sofa reiße ich meiner Frau den Hörer aus der Hand. Bevor ich sanft aufschlage, habe ich schon meine Frage ins Telefon gebrüllt: „KANN ICH DEINE KARTEN HABEN; BITTTTEEEEEEEEEEEEE!!!!“


    Schweigen am anderen Ende der Leitung. „Ja, klar, sobald ich sie habe sag ich Euch Bescheid.“ Ich brülle in das Telefon, so dass auch meine Nachbarn alles mitbekommen.
    „Ich will Deine Endspielkarten, egal was sie kosten!!!!!“ „Ja, natürlich, hab ich doch gerade gesagt. Melde mich, sobald sie da sind.“ „Wenn Du nicht kannst, kann ich dann bitte Deine Karten haben, ich bezahle auch den doppelten Preis!!!“
    „Himmeldonnerwetter noch mal, sperr Deine Ohren auf, DU BEKOMMST DIE KARTE

    Erstes Heimspiel am 06.08.1977

  • Teil 2


    Ich stammle irgendwas von wegen ewiger Dankbarkeit, gebe meiner Frau den Hörer und versinke in meinen Sofakissen. Völlig unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, nehme ich ein warmes Bier aus dem Kasten anstelle eines gut gekühltem aus dem Kühlschrank.


    Nach dem dritten Warmbier wähle ich alle Nummern unseres Telefonspeichers und erzähle allen, dass ich Karten fürs Endspiel habe. Auf Fragen wie: „Welches Endspiel“ antworte ich erst gar nicht.


    Wir können unser Glück noch gar nicht fassen. Tagelang gehe ich der besten Ehefrau von allen tierisch auf den Geist. Nein, Petra macht das wirklich, sie hat es uns versprochen und da klappt das auch. Eine Frau, ein Wort. Obwohl ich Petra nun wirklich nicht so gut leiden kann, ziehe ich eine Einladung zum Abendessen in Erwägung.


    Dann, nach einigen schlaflosen Tagen und Nächten der erlösende Anruf – die Karten sind da! Ich steige wie in Trance ins Auto und läute bei Petra an der Tür. Ihr Mann Heinz öffnet die Tür. Obwohl er mir auch nicht besonders sympathisch erscheint, macht er doch heute einen anderen Eindruck auf mich. Immerhin ermöglicht er mir den Zugang zur Kommode im Flur. Da liegen sie! Ich starre fasziniert auf zwei Eintrittskarten für ein Fussballspiel.


    Ich kenne Leute, die ein Vermögen für Eintrittskarten für die Wagner-Festspiele in Bayreuth ausgeben würden, aber hier liegen Karten für meinen Club. Ich bin auf alles vorbereitet und zücke meinen Geldbeutel. Vorsichtshalber habe ich noch einen Geldautomaten überfallen, der Preis für die Karten spielt doch gar keine Rolle. Das geplante neue Auto muss halt dann noch warten und auf einen ausgedehnten Urlaub hab ich heuer auch keine Lust.


    Als ich irgendwas von wegen „110 Euro“ höre denk ich, kein Problem, hast ja soviel pro Karte eingesteckt. Nein, die 110 sind für beide Karten, soviel musste sie ja auch bezahlen.


    Ich fasse es nicht: Da verlangt diese Frau keinen Cent mehr, als sie selber bezahlt hat. Ich verabschiede mich anständig und verstaue die Karten in meiner Brieftasche.
    Hab ja gar nicht gewusst, dass das so nette Leute sind. Wir sollten uns unbedingt mal verabreden – wenn wir wieder mal im Finale stehen.


    Meine kurze Überlegung, die Karten von einem Sicherheitsunternehmen direkt in unser Bankschließfach transportieren zu lassen, verwerfe ich gleich wieder. Ich vergewissere mich, das mir kein Wagen folgt, und fahre auf dem kürzesten Weg nach Hause.


    Meine Frau nimmt meine Errungenschaft nur kurz zur Kenntnis. Wenn Petra was verspricht, dann hält sie es auch, wozu die Aufregung?


    Stimmt, auf eine Frau ist Verlass. Ich bin inzwischen wieder in der Lage, warmes und kaltes Bier zu unterscheiden, und lege die Karten auf meinen Scanner. Natürlich müssen alle gespeicherten mailadressen an meinem Glück teilnehmen. Dumme Kommentare gibt es natürlich auch. Die Frage „Wird das nicht auch im Fernsehen übertragen?“ bleibt unbeantwortet.


    Ausnahmsweise kann ich es gar nicht erwarten, am nächsten Morgen in die Arbeit zu gehen. Wir haben Gleitzeit, für Menschen wie mich ist das daher sehr angenehm, wenn man es ein wenig später angehen lassen kann. Ich fange so in aller Regel um 07.30 Uhr an, das ist doch früh genug.


    Als ich an diesem Tag um 05.30 Uhr durch die Werkseinfahrt fahre, ist noch alles ruhig auf dem Gelände. Keiner da, obwohl ich doch 25 Kopien meiner Endspielkarten dabei habe. Endlich, meine Kollegen tauchen auf. Toll, Super, Klasse, aber sag mal: „Sieht man das im Fernsehen nicht viel besser?“


    Ich ärgere mich, dass ich heute früh so bald aufgestanden bin!


    Die Tage bis zum Endspiel ziehen sich wie Kaugummi. Mein Kollege Dieter hat auch auf Umwegen ein Ticket bekommen. Unser – normalerweise von geschäftlicher professioneller Sachlichkeit geprägter Umgangsstil - hat keine Chance gegen unsere Gefühle.


    Die Deutsche Meisterschaft muss für den Verein aus Schwaben genügen, Pokalsieger werden nur wir!


    Wir verabreden uns mal grob für ein Treffen auf der Fanmeile in Berlin am frühen Nachmittag des Endspieltages. Wir wissen natürlich, dass ein Treffen bei dem Trubel niemals klappen wird.


    Es ist der Donnerstag vor Pfingsten. Donnerstag proben wir meistens, ich spiele in meiner Freizeit in einer Rockband. Auf dem Heimweg an der Kreuzung in der Dianastrasse hab ich rot. Ich schaue gelangweilt nach links und erstarre. Neben mir steht ein Audi A3, am Steuer der Havier Pinola! 1.000 Gedanken schießen mir durch den Kopf. Es ist 22.30 Uhr, und mein Linksverteidiger liegt noch nicht im Bett. Die Ampel schaltet auf „grün“, der A3 kommt kommt schneller weg als mein 5er Diesel.


    Ich fahre hinter ihm her, immerhin muss ich auch die Gibitzenhofstrasse entlang. Er setzt den Blinker, fährt rechts ab. Nur wenige 100 Meter von meiner Wohnung entfernt entschließe ich mich spontan, ihm zu folgen. So bin ich nun mal – alles für den Club. Da steht man alle 25 Jahre im Pokalendspiel, und die Spieler lassen die Sau raus!


    Hans Meyer wird ihn schon flott machen, wenn ich ihm von dieser Begegnung berichte. Da fallen mir doch spontan die Trainingslager a la Malente wieder ein. So isses richtig, den ganzen Haufen eine Woche lang einsperren und trainieren lassen. Donnerstag Abends um halb Elf, 2 Tage vorm Endspiel, unglaublich so was!


    Unmittelbar vor einem italienischem Lokal parkt er seinen Wagen und begibt sich schnurstracks hinein. Ich bin entsetzt. Am Samstag muss er Mario Gomez kaltstellen, und heute haut er sich noch Wein und Pasta rein.


    Völlig entnervt komme ich daheim an. Begleitet von einer massiven Schnappatmung will ich meiner Frau berichten, komme aber wie üblich nicht zu Wort.


    „Unsere Mannschaft startet morgen früh mit dem Flieger nach Berlin, heute Abend hat Herr Meyer der Truppe noch mal freigegeben.“ Nun ja, denk ich mir. Warum sollen unsere Jungs nicht noch mal ein gepflegtes Abendessen nehmen, mediterrane Küche in einem italienischen Restaurant ist für einen Profisportler nur förderlich!


    Ich lege mich ins Bett, nicht ohne vorher noch ein kaltes Bier zu genießen, und erwarte völlig entspannt den nächsten Tag.


    Endlich - es wird Pfingsten. Freitag packen wir frühzeitig unseren Koffer und machen uns auf den Weg in die Hauptstadt. Nach stressfreier Fahrt ohne Staus kommen wir in unserem Hotel an. Es liegt im ehemaligen Ostteil der Stadt, und von Fußballatmosphäre ist weit und breit nichts zu spüren. Wir nehmen ein ausgiebiges Abendessen und noch ein paar Pils an der Hotelbar. Meine Frau drängt auf baldiges Schlafen, da der nächste Tag verspricht, anstrengend zu werden.


    Der Tag des Triumphes beginnt mit einem ausgiebigem Frühstück. Wir beschließen, erst mal mit der U-Bahn in die City zu fahren und eine Stadtrundfahrt zu machen. Unsere Fanutensilien haben wir zur Sicherheit mal im Rucksack verstaut. Wir sind nicht nur im ehemaligen Osten Berlins, sondern auch absolut ortsfremd. Vor den Stuttgartern haben wir keine Angst, aber man kann ja nie wissen, wer sich sonst noch auf der Strasse rumtreibt. Erfahrungsgemäß gibt es in Berlin eine Menge Berliner Fußballfans, die vielleicht an unserer Freude teilhaben wollen – was immer sie auch darunter verstehen. Nach ein paar Stationen stellen wir fest, dass immer mehr Stuttgarter und Nürnberger Fans im Zug zusteigen, und das in voller Kampfausrüstung!


    Bei der Gedächtniskirche steigen wir aus und stürmen das nächste Kaufhaus. Schnell umgezogen auf der Toilette und dann präsentieren auch wir uns als das was wir sind: Clubberer in Berlin!


    Wir machen eine Stadtrundfahrt im Doppeldecker, mit unseren Gedanken sind wir aber ganz woanders. Gegen Mittag machen wir uns auf den Weg zur Fanmeile vor dem Brandenburger Tor. Wir futtern eine originale Berliner Currywurst und ich bekomme das erste Bier an diesem Tag. Dann geschieht das Unfassbare: Während wir auf der Fanmeile entlang laufen, springt uns auf einmal jemand entgegen: Dieter!!!!


    Wir erfahren, dass er mit ca. 8 anderen Jungens aus seinem Heimatdorf hier in Berlin ist.
    Seine Kumpels, der älteste dürfte die 25 kaum überschritten haben, laden uns auf das nächste Bier ein. Mein Frau mahnt zur Zurückhaltung, da der Tag ja noch lang ist.


    Nach ca. 2 Stunden sind Dieter und seine Freunde schon recht gut drauf. Bier alleine reicht an solch einem Tag natürlich nicht mehr aus, wozu verkaufen die denn diese Mixgetränke?
    Zum Glück bleibt alles ruhig. Schwäbische Gesangseinlagen der Stuttgarter Fans, die außer ihnen eh keiner versteht, werden von uns mit einem donnernden „FCN“ beantwortet, wir machen uns langsam warm.


    Irgend einer der Gruppe fragt mal höflich an, ob jemand jetzt den Weg ins Stadion weiß. Da meine Frau nur alkoholfreie Getränke genossen hat, übernimmt sie automatisch die Führung der Gruppe ins Stadion. Ausgerechnet meine Frau, die vor ein paar Monaten erst ihr erstes Clubspiel gesehen hat, aber dazu später mehr.


    Schaut irgendwie lustig aus, wie diese kleine Frau einer Gruppe wild grölender Clubberer voranschreitet. Heut kann ich auch mal ungestraft aufmaulen.


    Wir nehmen am Kurfürstendamm die S-Bahn zum Olympiastadion. Im Zug möchte Dieter gerne einen Feuerlöscher aus dem Fenster werfen. Ich mache ihm klar, dass wir hier nicht auf dem Kölner Hauptbahnhof sind, das leuchtet im ein.


    Den Fußweg zum Stadion ziehe ich ganz bewusst in mich rein. Vorbei am olympischen Schwimmstadion geht es direkt ins Stadion. Da ich mich immer für Geschichte interessiert habe, ist das Gelände hier natürlich ein „El Dorado“ für mich. Es beginnt zu regnen, aber das macht nichts. Wenn unsere Jungs naß werden, dann ist das für mich auch in Ordnung.

    Erstes Heimspiel am 06.08.1977

  • Teil 3


    Am Stadion trennen sich unsere Wege. Meine Frau und ich haben P.3 im Unterring, das ist fast schon Gegengerade. Dieter und die Jungs wünschen uns ein gutes Spiel und gehen zu ihren Plätzen. Wir betreten das Stadion und suchen unsere Plätze.


    Ich war schon auf Schalke und in Hamburg, aber das Olympiastadion in Berlin ist schon etwas besonderes. Ich setze mich auf meinen Platz und schaue. Hier also war letztes Jahr der Endspiel der WM, irgendwo dort oben, wo sich jetzt die buissiness seats befinden stand der GRÖFAZ, als der die olympischen Spiele 1936 eröffnet hat. Hier hat Jesse Owens 4 mal Gold gewonnen.


    Noch ist hier nichts los, wir haben ja noch knapp 2 Stunden bis Spielbeginn. Es läuft gerade das Endspiel der Damen zwischen FFC Frankfurt und den Duisburgerinnen.


    1994 hab ich mir beim Motorradfahren die Eingeweide verkühlt, ich muss daher öfter auf die Toilette als andere meiner Altersgruppe. So stehe ich wieder von meinem Platz auf und suche das „stille Örtchen“. Auf meinem Rückweg kommen gerade meine Pokalhelden von 1962 an, meinem Geburtsjahr. Ich ziehe meine Kutte aus, und klaue meinem Nebenmann seinen „edding 3000“. Als ehemaliger Stammgast auf dem Block 4 hat man auch 2007 im fortgeschrittenen Alter die Kutte an, das ist nun mal so.


    Mit einigen Autogrammen mehr bestückt steuere ich wieder meinen Platz an. In der Ostkurve, da wo sonst die Herthafans stehen, sind noch wenige Clubberer. Meine Frau und ich reden nicht viel, wir sind schwer beeindruckt von diesem Stadion.


    Plötzlich geht es los: Die ersten ca. 200 Clubberer sind da, und der Trommler gibt das Signal: „Unsre Heimat ist die Kurve unser Stolz der Club….“


    Ich stelle mir gerade vor wie es ist, wenn „Unsere“ alle da sind. Ich erwarte einen ohrenbetäubenden Dauersupport, wie in unseren Heimspielen auch.


    Euch Stuttgarter wird ein Höllenspektakel erwarten!


    Das Damenendspiel ist vorbei, die Frankfurterinnen haben gewonnen. Im Fernsehen hätte ich mir das Spiel der Mädels „richtig“ angeschaut, hier bin ich viel zu aufgeregt, um das alles richtig zu genießen.


    Die Ostkurve ist inzwischen voll. So viele Clubberer habe ich noch nie gesehen. Das stimmt natürlich nicht, aber diese 20.000 machen viel mehr her, als 47.000 in unserm eigenen Stadion, das leider nicht mehr „Frankenstadion“ heißt.


    Es dauert nicht mehr lange bis Spielbeginn. Muss ich noch mal? Als ich gerade gehen will, erscheint unser Präsident. Was macht er denn, er geht in die Kurve. Dieser kleine, tapfere Mann! Er hat als unser Präsi weiss Gott nicht alles richtig gemacht, aber 1 Roth ist mir lieber als 1.000 Erfolgsfans! Erfolgsfans haben bei Bedarf mehrere Vereine, Herr Roth und ich aber nur einen!
    Ich habe keine Ahnung, was er in der Kurve will, aber ich bin beeindruckt. Diesen Einsatz über viele Jahre für einen Fußballverein muss ihm erst mal einer nachmachen.
    Niemandem in diesem Stadion wünsche ich den Pokalsieg mehr als ihm, ohne sein Engagement wären wir alle heute nicht hier.


    Er schreitet die Kurve ab, als ob wir schon gewonnen hätten. Aus Respekt bekommt er von meiner Frau und mir den Applaus, den er sich verdient hat. Er hat aus dem nichts heraus ein Unternehmen gegründet, aber heute ist auch er nervös, da bin ich mir sicher!


    Endlich geht es los. Die Mannschaften kommen und nehmen Aufstellung zur Nationalhymne. Menschen meines Alters sind wohl eher ergriffen als jüngere.
    Trotz meiner Anspannung singe ich mit, Ehrensache.


    Das Spiel beginnt, schon in der 20. Minute liegen wir zurück. Ausgerechnet Cacau! Ich verliere schon den Glauben, aber meine Frau ist zuversichtlich. „Wir haben noch 70 Minuten Zeit, wir packen das!“.


    Als Marek 7 Minuten später den Ausgleich macht bin nicht mehr zu halten. Das Foul an ihm und den Platzverweis nehme ich kaum wahr, schon ist Halbzeit.


    Die Pause nutzen die meisten zum Bierholen, ich hab mal wieder andere Bedürfnisse.
    Spiel geht weiter, 2. Halbzeit. Marko Engelhardt, der seinen Kopf scheinbar nur zum Haare schneiden hat, macht nach einer Ecke von Pino das 2:1. War doch prima, dass Pino am Donnerstag nochmal zum Essen ist, macht total den Kopf frei!.
    Wir kassieren kurz vor Schluss noch den Ausgleich. Wenn Raphael schon keine Elfer halten kann – verursachen ist wohl einfacher. 2:2, Verlängerung.
    Ich bin stolz auf diese Mannschaft. Wir haben den Deutschen Meister in die Verlängerung gezwungen, mehr war nicht zu erwarten. Auf links taucht auf einmal Kristinasen auf, mal wieder keine Anspielstation für seine Ideen, wie die ganze Saison über auch.


    Da knallt er einfach aufs Tor, der Ball senkt sich hinter Hildebrand ins Tor, wir führen 3:2. Noch 11 Minuten. Das muss doch reichen gegen 10 Stuttgarter. Banovic mit der großen Chance zum vierten Tor, leider kläglich vergeben.


    Letzter Angriff der Stuttgarter, Torwart Hildebrand ist mit vorne. Angriff abgewehrt, Gegenstoß. Schlusspfiff. Neben mir springt meine Frau auf ihrem Sitz herum, Freude überall.


    Ich lasse mich auf meinen Sitz fallen, zum jubeln habe ich keine Kraft mehr. Tränen schießen mir in die Augen, ich bin am Ende. 20.000 Clubberer feiern wie wild, ich nicht. Ich sitze auf meinem Platz und heule wie noch nie in meinem Leben. 30 Jahre Clubfrust fallen von mir ab, ich kann nicht mehr. Nur mühsam stehe ich auf und bin glücklich wie selten zu vor.


    Die Pokalüberreichung und die Ehrenrunde erlebe ich nicht mehr bewusst, ich stehe einfach nur da. Was habe ich gelitten mit diesem Verein, heute werde ich für alles belohnt. Ich bin stolz, ein Clubfan zu sein.


    Mein Blick geht in Richtung Himmel. Dort oben sind meine Helden der letzten Jahrzehnte, auch Onkel Franz ist dabei. Ja, mein lieber Onkel: Ich bin sicher, dass Du das Spiel heute genossen hast.


    Du bist der einzige Mensch, dem ich an diesem Tag freiwillig meine Eintrittskarte überlassen hätte, Du hättest es Dir verdient!


    Onkel Franz und seine beiden Söhne waren so ziemlich die einzigen der großen Familie, die sich für Fußball interessiert haben. Bei jeder Familienfeier haben sie sich am Nachmittag abgeseilt, um im Autoradio die Sportübertragungen zu hören. Mir ging das als Kind ziemlich auf den Geist, heute verstehe ich das natürlich. Selbst bei meiner Hochzeit waren alle drei irgendwann mal verschwunden!


    Mein Onkel Franz war schon ein besonderer Mensch. Als gelernte Maurer hat er nach dem 1. Weltkrieg keinen job gefunden, so hat er dann als Berufssoldat beim sog. 100.000 –Mann-Heer angeheuert. Im 2. Weltkrieg war er dann Bordfunker auf einer Ju87 und wurde über England abgeschossen, damit war der Krieg für ihn vorbei.
    Nachdem er die Entnazifizierung überstanden hatte bekam er eine Stelle bei der Nürnberger Justiz. Am Ende seiner beruflichen Laufbahn war er Obergerichtsvollzieher.


    Welch Probleme er mit dieser Tätigkeit hatte, konnte ich als Kind nicht ahnen, er war von Natur aus das, was man heute als „Weichei“ bezeichnen würde, Pfändungen bei armen Leuten haben ihm regelmäßig den Appetit verschlagen.


    Ich kannte diesen Mann nur mit guter Laune, niemals habe ich von ihm oder meiner Tante Anni ein böses Wort gehört. Lustig war immer, dass er mir heimlich ein paar Mark in die Hand gedrückt hat mit den Worten: „Bleibt unter uns, die Tante muss das nicht wissen.“
    In der Küche hat mir Tante Anni auch immer ein wenig Geld gegeben mit den Worten: “Das muss der Onkel nicht wissen.“


    Ob sich beide abgesprochen, und mit mir ihren Spaß hatten oder ob sie wirklich nichts von ihren gegenseitigen Geldgaben wussten – ich habe es nie erfahren.


    Ich kann mich noch gut an einen Besuch bei ihm zu Hause erinnern. Zweites Relegationsspiel zwischen 1860 München und Arminia Bielefeld. Das Hinspiel hatte die Arminia mit 4:0 gewonnen, das Rückspiel in München war also nur noch Formsache.


    Ich komme punktgenau 5 Minuten vor Schlusspfiff, das Spiel wird live im Radio übertragen.
    Meine Frage nach dem Spielstand wird mit einem Knurren beantwortet: „4:0 für 60.“
    Ich bin überrascht: „Was, wie steht es????“


    Da platzte diesem gutmütigen Mann der Kragen: „Vier Null für 60, hörst Du schlecht?“
    Noch nie hat dieser Mann mir oder einem anderen Menschen gegenüber so reagiert, sein Kopf wurde bei diesen Worten knallrot. Warum das Ergebnis eines Fußballspiels – ohne Nürnberger Beteiligung – solch eine Reaktion auslösen würde, habe ich erst Jahre später begriffen.


    Wenn schon der Club in der 2. Liga rumdümpeln muss – ein Aufstieg der Münchener Löwen muss nun gar nicht sein!


    Das entscheidende dritte Spiel gewinnt Bielefeld mit 2:0, der Aufstieg ist perfekt.

    Erstes Heimspiel am 06.08.1977

    Einmal editiert, zuletzt von Walitza ()

  • Teil 4


    Nun hast Du Deinen Frieden, mein lieber Onkel! Wir sind Pokalsieger, damit hat Dein Neffe auch seinen ersten Titel erlebt, Du hattest mir da ja einige voraus!
    Ich weiss nicht, was Onkel Franz nach dem Spiel macht, wahrscheinlich wird er mit Heiner Stuhlfauth und Max Morlock noch ein Bier trinken, bevor er wieder auf seiner Wolke Platz nimmt.


    Langsam leert sich das Stadion, wir gehen auch. Den Gang zur Toilette hab ich wieder mal verpasst, aber draußen gibt es bestimmt eine Möglichkeit.


    Irgendwo finde ich eine Mauer, an der bereits 20 Mann stehen um das Bier abzulassen. Meine Erziehung verbietet mir eigentlich, mich da auch hinzustellen, aber es gibt oft Sachzwänge im Leben.
    Der Typ neben mir sprich mich an: „Na, wie brunst es sich denn als Pokalsieger?“ Eine Antwort spare ich mir. Ich bin dankbar, dass er ein paar Meter wegsteht, vielleicht verdient er sein Geld als Rasensprenger.


    Wir wollen auf keinen Fall mit der S-Bahn wieder ins Hotel. Bis dato war es ein friedliches Fußballfest, das soll auch so bleiben. Wir laufen vom Stadion in Richtung Stadt, der Hunger treibt uns voran. Nach ein paar Kilometer finden wir tatsächlich ein griechisches Restaurant, das rund um die Uhr geöffnet hat.


    Langsam löst sich meine Anspannung, und ich kann es wirklich langsam begreifen. Ja, der 1.FC Nürnberg ist Pokalsieger 2007, und ich war dabei. Nachdem wir unseren Hunger gestillt haben, geht es mit dem Taxi ins Hotel. Noch ein Absacker an der Hotelbar, dann fallen wir müde, aber glücklich, ins Bett.


    Mit schlafen ist aber nix. Noch voller Adrenalin wälze ich mich in meinem Bett hin und her. Meine liebe Frau schafft es aber recht schnell, mich zum einschlafen zu bringen. Das „Wie hat sie das gemacht“ bleibt unser Geheimnis!


    Der nächste Morgen ist geprägt von einer eigenartigen Stimmung. Als Pokalsieger schläft man herrlich, mit stolzgewellter Brust geht es in den Frühstücksraum.


    Schnell ist der Koffer gepackt und wir machen uns frühzeitig auf den Heimweg. Bereits um 12.00 Uhr sind wir wieder daheim. Den Weg zum Hauptmarkt sparen wir uns, nach dem aufregenden Samstag tut ein wenig Ruhe echt gut.


    Wir verfolgen im Bayerischen Staatsfernsehen die Ankunft unserer Jungs am Flughafen und den Triumphzug in die Stadt. Eintrag ins goldene Buch, der OB spricht, dann ab zum Hauptmarkt zu den Fans.


    Ich mag solche Veranstaltungen nicht, mir erscheint das alles ein wenig „gezwungen“. Beste Szene war die Darbietung von Andi Wolf, als er das uns Älteren bekannte Lied „Alle Blumen blühen, nur das Fürther Kleeblatt nicht“ anstimmte.


    Megageil, kein „Alez, Alez“, kein „Unsere Heimat“, nein, eine Uraltnummer aus vergangenen Tagen bringt mich so richtig in Stimmung.


    Niemand konnte ahnen, dass der Weg unserer Helden vom Flughafen in die Stadt die fast doppelte Zeit dauerte als geplant. Niemand, nicht mal der bayerische Rundfunk.


    Statt dem fränkischen Trainerfuchs taucht auf einmal der russische Luchs auf, ich brauche einen Moment, um das zu realisieren. Ein Blick in die Programmzeitschrift macht mir aber klar, dass diese Sendung seit Monaten geplant war. Die einzige hektische Bewegung an diesem Tag ist das nervöse Zappen mit der Fernbedienung. Auf irgendeinem Nachrichtensender erwische ich wieder die Liveübertragung. Der Kommentar ist zwar grauenhaft, aber die bewegten Bilder reichen mir auch.


    Da ich schon vor unserer Abfahrt nach Berlin den Kühlschrank mit Bier gefüttert habe, steht mir genug Trinkbares zur Verfügung. Montag ist noch frei, Dienstag geht’s wieder in die Arbeit.


    Ich bin Pokalsieger, das 7. oder 8. Bier bestätigt mich in meiner Meinung. Wir gehen entspannt in die neue Spielzeit und nehmen erstmals seit 1988 wieder am UEFA-Cup teil.


    Wie das alles mal enden soll, weiß ich nicht. Aber wie es anfing, daran kann ich mich noch gut erinnern...

    Erstes Heimspiel am 06.08.1977

  • Wieder Samstag, gleiches Wetter wie damals und der Club hat gewonnen :D


    Ganze AUtobahn voll Cluberer! :hoch:

    FRANKENSTADION

  • Ich war 1982 im Endspiel in Frankfurt gegen die Bayern dabei , wo wir von einem sogenannten Schiedsrichter Henning aus Duisburg (bekennenter Bayern - Fan ) beschissen worden .
    Hatte mir damals geschworen wenn unser Club jemals wieder ein Endspiel erreicht dann geh ich wieder hin !
    2007 , nach 25 jähriger Wartezeit war es so weit,eine Karte bei E-bay für 200 Euro ersteigert und im Internet eine Mitfahrgelegnheit nach Berlin gefunden.
    Dafür bedanke ich mich bei den Club - Fans aus Adelsdorf die mit 3 Bussen und mir auf die Fahrt nach Berlin starteten!
    In Berlin traf ich einen Club-Fan vom Fan - Club Aschbach ( Peter Giehl aus Heuchelheim ) der auch in Frankfurt dabei war , sein Kommentar :" da muss man erst nach Berlin fahren um dich wieder zu treffen" .


    Und dann am Abend ein rot - schwarzes Fahnenmeer,den Pokal geholt , einfach unvergesslich, der schönste Tag in meinem Leben.
    Im Jahr darauf dann der vermeidbare Abstieg , aber jetzt sind wir ja wieder seit 4 Jahren in der Bundesliga , und da bleiben wir auch !

  • Ich hab heute morgen schon die SMS von meinem besten Kumpel bekommen: "Na, wo waren wir heute vor fünf Jahren?!" Scheeeeeeeeeeeeeee. Werd ich nie vergessen.

  • Tarzan schrieb:


    Im Jahr darauf dann der vermeidbare Abstieg , aber jetzt sind wir ja wieder seit 4 Jahren in der Bundesliga , und da bleiben wir auch !


    Trotzdem hat der Pokalsieg einen enormen Schub für den Verein bedeutet. Da ändert selbt der Abstieg nix!

    FRANKENSTADION

  • Grad das Spiel noch einmal in voller Länge gesehen ! Sowas ist unvergessen, diese Emotionen, unglaublich. Wenn ich das nur nochmal erleben könnte ...

  • Erinnerungen werden wach. Erinnerungen an meinen 1. Titel mit dem 1. FC Nürnberg, dem ich schon als 14-jähriger Bub (1968 kann da leider nicht zählen, da war ich gerade mal sechs Jahre alt und habe vom Fussi nichts mirbekommen) anhing und zu dem mich mein verstorbener Vater gebracht hatte (insofern stimmt das Lied mit dem kleinen Buben, nur die martialische Textvariante mit dem Sterben könnte man weglassen), Erinnerungen an das größte Ereignis, dem ich je beiwohnen durfte.


    Ich hatte keine Karte. Aber natürlich wollte ich unbedingt nach Berlin. Also habe ich telefoniert und gemailt und alles schien aussichtlos. Eine Woche vor dem Endspiel rief dann doch noch ein sehr guter Bekannter an, der mir ein Ticket für € 90,-- anbot. Nun hatte ich zwar eine Eintrittskarte, aber noch lange keinen Plan. Wie komme ich nach Berlin?


    Am Wochenende habe ich sämtlich ICE-Verbindeungen nach Berlin durchgespielt - vor allem den ICE, den meine Kumpels schon gebucht hatten -, aber bei der DB hieß es: ausverkauft, weil voll belegt. Daraufhin habe ich schon ein wenig resigniert und mir überlegt, dass wohl die einzige Möglichkeit, nach Berlin zu kommen, die mit dem Auto sei.


    Die Tage vor dem Endspiel hatte ich keine Möglichkeit, mich weiter um diese Geschichte zu kümmern, da ich beruflich unterwegs war. Als ich aber am Donnerstag abend vor dem Finale nach Hause kam, tat meine Frau ziemlich unschuldig. Und irgendwann hat sie mir eine Fahrkarte für den ICE über Bamberg-Lichtenfels-Jena-Weißenfels-Leipzig-Berlin präsentiert. Dafür liebe ich sie heute noch - und nicht nur dafür. Die Karte hat damals schlappe 389 Euronen gekostet.


    Am Samstag morgen stieg ich mit Magen- und Darmproblemen in die RB nach Nürnberg und dort in den ICE nach Berlin. Kein Bier im Zug, weil ich dachte, es könnte jeden Moment in die Hose gehen. Ankunft neuer Berliner Hauptbahnhof, Stimmung fantastisch, Probleme noch immer vorhanden. Das blieb auch so bis kurz vor dem Spiel: im heftigen Gewitterregen doch noch rechtzeitig ein stilles Örtchen erwischt.


    Das Spiel im Stadion hat alle Probleme vergessen gemacht. Plötzlich war wieder alles O. K.. Und dann kam der Moment des grössten Triumphes: ich sagte gerade zu meinem Nebenmann "mei, der Kristiansen, edds haut der bestimmt wieder aus unmöglicher Position drauf" und hatte meine Klappe noch nicht ganz zu und drin war das Ding! Diesen Augenblick und die Freude aus 20000 mitgereisten Club-Kehlen werde ich nie in meinem restlichen Leben mehr vergessen!


    Als es dann aus war und feststand, dass ausgerechnet der 1. FC Nürnberg Pokalsieger 2007 war, gab es kein Halten mehr. Vergessen waren die gesundheitlichen Probleme. WIR SIND POKALSIEGER! WIR! DER GLUBB! Eine schlaflose Nacht am Hauptbahnhof und eine Rückreise, bei der dem Zugpersonal in Leipzig bereits das Bier ausgegangen war, schloß sich an.


    Danke Glubb, dass ich so etwas mit Dir erleben durfte.

    Forenkicktipp-Sieger 2016/17

  • also, am nachhaltigsten hat sich des unglaubliche funkeln des pokals eingebrannt. "mein schaaatz!" sensationell. der kleine, grosse mann, der mit dem pott in UNSERE kurve kommt. von freitag bis montag in berlin, ab nachm spiel dieses gefühl des sieges. mit jedem schluck bier hab ich den triumph besser und besser schmecken können. karneval der kulturen war aa nu...


    alles in allem für mich der tag, für den sich alles leiden gelohnt hat und immernoch lohnt. auch heut noch, 5 jahr später.


    der GLUBB-himmel.

    "Deine Augen sehen es, doch dein Verstand kann es nicht fassen"


    NORIMBERGA PER SEMPRE!